Agrippa von Nettesheim

Sein richtiger Name war Heinrich Cornelius er wurde am 14.9.1486 in Köln geboren und starb am 18.5.1535 in Grenoble.

Bekannt geworden ist Agrippa durch seine Gedanken und Schriften zur Bedeutung der Magie. Sein Hauptwerk "De occulta philosophia" erschien erstmals 1510, 1530 dann in einer überarbeiteten Version. Darin versuchte er, eine Synthese aus den christlichen Ideen und der Magie auf der Basis der neuplatonischen Mystik herzustellen. Die Magie betrachtete Agrippa als eine wichtige Kraft, die notwendig zur Erlangung von Wissen und Macht sei. Sie gelte als wichtiges Hilfsmittel zur menschlichen Selbstbeherrschung und Natur- und Weltaneignung. Sein Ziel war es, das Ansehen der Magie wieder herzustellen. Agrippa wollte verschiedene okkulte Wissenschaften miteinander verbinden und die Brüche zwischen den Naturwissenschaften überwinden. Durch die Magie sollte der Mensch befähigt werden, die Geheimnisse der Natur zu entschlüsseln.

Hier ein Auszug aus seinem Werk

Wie die Magier aus der dreifachen Welt ihre Kräfte schöpfen

Da die Welt dreifach ist, elementarisch, himmlisch und geistig, und da immer die niedrigere von der höheren regiert wird und den Einfluss ihrer Kräfte aufnimmt, so dass das Vorbild des Weltalls (der Archetypus) selbst und der Schöpfer aller Dinge durch die Engel, die Himmel, die Gestirne, die Elemente, die Tiere, die Pflanzen, die Metalle und die Steine die Kräfte seiner Allmacht auf uns Menschen ausströmt, zu deren Dienst er dies alles erschaffen hat, so halten es die Magier für keine unvernünftige Sache, dass wir auf denselben Stufen, durch die einzelnen Welten, zu der urbildlichen Welt selbst, dem Schöpfer aller Dinge und der ersten Ursache, wo welcher alles ist und alles ausgeht, hinaufsteigen, und daß wir nicht nur die in den edleren Naturgegenständen schon vorhandenen Kräfte benützen, sondern noch überdies von oben herab neue an uns ziehen können.
Deshalb suchen die Magier die Kräfte der Elementarwelt durch die verschiedenen Mischungen der natürlichen Dinge in der Medizin und Naturphilosophie; durch die Strahlen und Einflüsse der himmlischen Welt verbinden sie hierauf nach den Regeln der Astrologen und der Lehre der Mathematiker die himmlischen Kräfte mit jenen; sodann verstärken und befestigen sie dies alles vermittelst heiliger und religiöser Zeremonien durch die Gewalt der verschiedenen geistigen Wesen (Intelligenzen).
 

Was die Magie sei, aus welchen Teilen sie bestehe, und welche Eigenschaften ein Magier haben müsse.

Die magische Wissenschaft, der so viele Kräfte zu gebot stehen, und die eine Fülle der erhabensten Mysterien besitzt, umfasst die tiefste Betrachtung der verborgensten Dinge, das Wesen, die Macht, die Beschaffenheit, den Stoff, die Kraft und die Kenntnis der ganzen Natur. Sie lehrt uns die Verschiedenheit und die Übereinstimmung der Dinge kennen. Daraus folgen ihre wunderbaren Wirkungen; indem sie die verschiedenen Kräfte miteinander vereinigt und Überall das entsprechende Untere mit den Gaben und Kräften des Oberen verbindet und vermählt. Diese Wissenschaft ist daher die vollkommenste und höchste, sie ist eine erhabene und heilige Philosophie, ja sie ist die absolute Vollendung der edelsten Philosophie. Jede regelmäßige Philosophie wird in Physik, Mathematik und Theologie geteilt.
Die Physik lehrt die Natur dessen, was in der Welt ist: sie erforscht und betrachtet die Ursachen, die Wirkungen, die Zeit, den Ort, die Art, die Erscheinungen, das Ganze und die Teile.

Was Elemente sind, und wie viele derselben man zählet,
Was sie erzeugen, woraus der große Himmel entsprungen,
Und woher das Fluten des Meers und die farbige Iris,
Wie die Wolken erzeugen den weithinschallenden Donner,
Wie den dunklen Äther die jähen Blitze durchstreifen,
Wie die Kometen entsteh`n und bei Nacht die feurigen Kugeln,
Welche blinde Gewalt von innen den Boden erschüttert,
Wo der Same des Goldes, wo der des Eisens zu suchen,
Wo der ganzen Natur sinnreiche Kräfte sich bergen

Dies alles umfaßt die Physik, die Erforscherin der Natur, und auch das, was Virgil besingt:

Welches Ursprungs der Mensch und das Tier, woher Regen und Blitze,
Was Erdbeben erzeugt, was über die berstenden Dämme
Schwellet die Tiefen des Meeres, und in sich dann wieder sich senket.
Alle Kräfte der Pflanzen, den zornigen Mut des Raubtiers,
Jede Gattung Gesträuch, auch Stein` und kriechende Tiere.

Die Mathematik dagegen lehrt uns die ebene und die nach drei Richtungen sich erstreckende Natur kennen, sowie den Lauf der Himmelskörper beobachten.

In welch rascher Bewegung die goldenen Sterne sich drehen,
Was dem nächtlichen Monde gebeut, sein Licht zu verlieren,
Und warum manchmal sich plötzlich die Sonne verfinstert.

   Und wie Virgil singt:

Weshalb lenket den kreisenden Gang in gemessenen Räumen,
Durch zwölf Zeichen geteilt, goldstrahlend die Sonne des Weltalls,
Zeigt der Sterne Natur und weiset himmlische Bahnen;
Lehrt, was traure der Mond, und den Wechsel der Sonnenverdunklung.
Auch den Arktur, die nasse Hyad` und beide Trionen,
Weshalb Wintersonnen so schnell in den Ozean tauchen,
Oder welch ein Verzug die langsamen Nächte verweilen.

   Dies alles wird mit Hilfe der Mathematik erkannt.

Die Theologie endlich lehrt uns, was der Geist, was eine Intelligenz, was ein Engel, was ein Dämon, was die Seele, was die Religion sei; welche heiligen Einrichtungen, Gebräuche, geweihte Örter, Oberservanzen und Mysterien es gebe; auch unterrichtet sie uns über den Glauben, die Wunder, die Kraft der Worte und Zeichen, über die verborgenen Operationen und die Mysterien der Sigille, oder sie lehrt uns, nach dem Ausdrucke des Apulejus, die Gesetze der Zeremonien, die heiligen Bräuche und das Recht der Religionen gehörig kennen und verstehen.

Es sind also, um auf den Gesamtinhalt dieses Kapitels zurückzukommen, die Physik, die Mathematik und die Theologie, die drei mächtigsten Zweige der Gelehrsamkeit, welche die Magie umfaßt, miteinander verbindet und in Ausübung bringt, weshalb dieselbe von den Alten mit Recht für die höchste und heiligste Wissenschaft gehalten wurde. Die weisesten und berühmtesten Gelehrten und Schriftsteller haben diese Wissenschaft erläutert; unter ihnen glänzten besonder Zamolris und Zoroaster so sehr, daß sie Vielen als Erfinder der Magie gelten.

In ihre Fußstapfen traten Abaris der Hyperboräer, Charmondas, Damigeron, Eudorus, Hermippus und noch andere berühmte Koryphäen, wie Hermes Trismegistus, Porphyrius, Jamblichus, Plotinus, Proklus, Dardanus, der Thrakier Orpheus, der Grieche Gog, der Babylonier Germa, Apollonius von Tyana. Auch Osthanes schrieb über diese Kunst Vortreffliches; die in seinem Grabe gefundenen Bücher gab der Abderite Demikrius mit Erklärungen heraus. Überdies machten Pythagoras, Empedokles, Demokritus, Plato und noch mehrere der ausgezeichnetesten Philosophen Seereisen, um die Magie zu erlernen, und nach ihrer Rückkehr schrieben sie dieser Kunst die größte Heiligkeit zu und wahrten sie als ein Geheimnis.

Ja, wir wissen, dass Pythagoras und Plato, um die Magie kennen zu lernen, die Priester zu Memphis aufsuchten und beinahe in ganz Syrien, Ägypten, Judäa, sowie in den Schulen der Chaldäer nach den heiligen Denkmälern derselben forschten und sich darüber unterrichten ließen. Wenn daher einer, der sich auf diese Wissenschaft legen will, nicht in der Physik bewandert ist, welche die Beschaffenheit der Dinge und die verborgenen Eigenschaften eines jeden Wesens erklärt; wenn er nicht ein guter Mathematiker ist und die Aspekten und Sternbilder kennt, von denen die hohe Kraft und Eigenschaft einer jeden Sache abhängt; wenn er endlich nicht die Theologie versteht, welche über die körperlichen Wesen, die alles ordnen und lenken, Aufschluss gibt; wenn ihm, sage ich, die hier geforderten Kenntnisse abgehen, so kann er die Vernünftigkeit der Magie nicht begreifen; denn die Magie vollbringt nichts, und es gibt kein wahrhaft magisches Werk, das mit den drei genannten Wissenschaften nicht in Verbindung stände.

Alan Gabriel @www.esoterik-info.com 2004